Oft wird der Lieferschein vernachlässigt – mit fatalen Folgen

Jedes Handels- und Produktionsunternehmen sollte seine Waren-Eingangsrechnungen ausnahmslos mit dem Lieferschein abgleichen. Doch in der Praxis unterbleibt das immer wieder. Die Folgen können gravierend sein.

Rügepflicht des Kaufmanns (§ 377 HGB) unterlassen: „Wer schweigt, ist einverstanden“ ist der Grundsatz unter Kaufleuten.  Nach zwei Wochen noch ohne Grund zurücksenden – das können amazon-Kunden, Sie als B-2-B-Kunde können das nicht. Wenn unvollständig oder mangelhaft geliefert wurde, muss sofort gerügt werden.

Überhöhte, unberechtigte oder doppelte Rechnungen bezahlt: Wenn der Abgleich mit dem Lieferschein unterbleibt, besteht die Gefahr, dass überhöhte, unberechtigte oder doppelte Rechnungen bezahlt werden.

Warum unterbleibt die Kontrolle von Lieferscheinen dann so oft? Die beliebtesten Ausreden von Buchhaltern sind: „Die Leute in der Warenannahme schicken mir den Lieferschein nicht schnell genug. Ich muss aber die Rechnung möglichst schnell bezahlen, um noch Skonto abziehen zu können.“ Oder: „Die in der Warenannahme sind personell unterbesetzt und können die Ware im Moment gar nicht auspacken, deswegen kriege ich den Lieferschein auch nicht. Zahlen muss ich aber trotzdem.“ All das sollten Sie nicht durchgehen lassen.

Fazit: Stellen Sie sicher, dass in Ihrem Unternehmen konsequent die Über­einstimmung von Lieferung und Lieferschein sowie Lieferschein und Rechnung kontrolliert wird. Verbieten Sie, dass Warenlieferungs-Rechnungen bezahlt werden, die nicht anhand des Lieferscheins geprüft wurden.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Finanzbuchhalter für München

So verbuchen Sie Ihre 2013er-Geschenke richtig

Die unterschiedlichen Arten von Geschenken an Geschäftspartner bzw. potentielle Kunden sollten Sie kennen. Zur Er­klärung ein Praxisbeispiel:

Ein Unternehmen machte 2013 folgende Geschenke:

  1. 200 Taschenlampen mit Werbeaufdruck für 15 Euro brutto, die an potenzielle Kunden auf einer Messe verschenkt wurden,
  2. je eine Flasche Champagner zum Stückpreis von 39 Euro brutto zum Geburtstag ausgesuchter Geschäftspartner,
  3. drei Flaschen Wein für jeweils 35 Euro brutto zu Weihnachten an ausgesuchte Geschäftspartner,
  4. Regenschirme (Stückpreis 7,99) mit Werbeeindruck, die auf einer Messe verteilt werden.

So verbucht das Unternehmen diese Geschenke richtig:

  1. Taschenlampen auf der Messe: ein Grenzfall. Einerseits könnte man Steuer­pflicht annehmen, da die Streuwerbeartikelgrenze von zehn Euro netto überschritten ist, andererseits steht der Werbeeffekt für die Firma im Vordergrund, sofern die Empfänger noch nicht Kunden sind. Hier kann man diskutieren. Vorsichtshalber sollte man die Steuerpflicht beim Empfänger einkalkulieren.
  2. Champagner zum Geburtstag: nicht steuerpflichtig, weil persönliches Ereignis und Grenze von 40 Euro brutto eingehalten.
  3. Weinflasche an Weihnachten: steuerpflichtig, weil Weihnachten kein persönliches Ereignis ist.
  4. Regenschirme: nicht steuerpflichtig, da Streuwerbeartikel (unter zehn Euro).

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für München

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Nicht einmal den Kaminkehrer darf man bar bezahlen

Haushaltsnahe Dienstleistungen kann man nur dann absetzen, wenn sie bargeldlos, also per Überweisung, EC-Karte oder Lastschrift bezahlt wurden. In einem aktuellen Fall hatte sich jedoch ein Schornsteinfeger geweigert, Geld per Überweisung entgegenzunehmen. Er beharrte ausnahmslos auf Barzahlung sofort nach Leistungserbringung.

Pech für die Hausbesitzer: Auch ein kompromissloser bargeldverliebter Schornsteinfeger rechtfertigt keine Ausnahme vom Bargeldlos-Gebot. Ergebnis: Bar bezahlte Schornsteinfeger­kosten sind nicht als „Haushalts­nahe Dienstleistungen“ absetzbar. (BFH, 30.07.13, VI B 31/13, juris)

Entwarnung für Vermieter:
Der Zwang zur Überweisung gilt nur beim selbst genutzten Einfamilienhaus. Bezahlt man bei einer vermieteten oder betrieblichen Immobilie die Putzfrau, den Schornsteinfeger, den Gärtner oder einen Handwerker in bar, ist das unschädlich. Das heißt, der Werbungskosten-  bzw. Betriebsausgabenabzug ist möglich.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für München

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Clevere Aufteilung von Kaufpreisen kann viel Geld sparen

Sieht man sich Notarverträge über Hausverkäufe an, so wird dort häufig ein Gesamtkaufpreis vereinbart. Dabei könnte eine Aufteilung meistens Steuern sparen. Doch oft wird diese Chance vertan.

Aufteilung auf grunderwerbsteuerfreie und -pflichtige Bestandteile: Markisen, Gartenhäuschen, Lampen, Spiegel, Einbauküchen usw. und Heizöl gehören nicht zur Bemessungsgrundlage der Grunderwerbssteuer. Weisen Sie sie deshalb getrennt aus und rechnen Sie sie heraus. Beim Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist profitiert auch der Verkäufer, denn diese Gegenstände zählen nicht mit beim Veräußerungsgewinn.

Aufteilung auf Grund und Boden sowie Gebäude: Gebäude kann man abschreiben, Grund und Boden aber nicht. Logisch, dass man den Gebäudeanteil möglichst hoch festlegt. Einigen Sie sich mit dem Verkäufer auf eine Aufteilung, muss das Finanzamt dieser Aufteilung folgen, solange dagegen „keine nennenswerten Zweifel“ bestehen. (BFH, 31.07.01, IX R 15/98, BFH/NV 2002, 324)

Aufteilung auf Privat-/Betriebsvermögen: Das kann für den Verkäufer einer Immobilie interessant sein, wenn diese zum Teil Privat- und zum Teil Betriebsvermögen ist. Denn der Verkauf von Betriebsvermögen ist steuerpflichtig, der Verkauf von Privatvermögen steuerfrei, sofern man die Immobilie schon zehn Jahre hatte. Beispiel: X verkauft ein Geschäftshaus, das er 1996 gekauft hatte. Das Erdgeschoss (1.000 qm) war an einen Supermarkt vermietet, das Obergeschoss (1.000 qm) wurde von X betrieblich genutzt. Wenn im Vertrag zwei Millionen Gesamtkaufpreis vereinbart wird, wird das Finanzamt eine Million dem Erdgeschoss zurechnen und eine Million dem Obergeschoss. Teilt X den Kaufpreis hingegen auf (eine Begründung dafür muss es natürlich geben!) auf 1,5 Millionen Erdgeschoss und 500.000 Euro Obergeschoss, muss er statt einer Million nur 500.000 Euro versteuern. Dem Käufer wird die Aufteilung egal sein.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für München

Entwarnung bei steuerfreien Zuschüssen

Das Einkommensteuergesetz stellt bestimmte Zuschüsse steuerfrei, wenn sie „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ bezahlt werden. Hauptfälle sind Fahrtkosten- und Kindergartenzuschüsse.

Das oberste Steuer­gericht, der Bundesfinanzhof, hat am 19. September 2012 aber entschieden, dass die Steuerfreiheit nur für freiwillige Zahlungen gelten kann, auf die kein Rechtsanspruch besteht (Az:  VI R 54/11, DStR 12, 2427). Wenn jedoch ein Anspruch auf Zuschüsse besteht, sind sie nicht mehr freiwillig. Wenn sie wiederum nicht freiwillig gezahlt werden, dann sind sie auch nicht steuerfrei, so das Urteil. Das hätte bei konsequenter Umsetzung letztendlich das Aus für die Steuerfreiheit dieser Zuschüsse bedeutet.

Alles bleibt nun beim Alten – fast:
Wie IZW soeben aus dem bayerischen Staatsministerium erfahren hat, haben nun die obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder beschlossen, an der bisherigen Verwaltungsauffassung festzuhalten. Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs soll nur auf Fälle der Gehaltsumwandlung angewandt werden. Sofern ein Arbeitgeber Leistungen tatsächlich zusätzlich gewährt, ohne gleichzeitig den Lohn zu kürzen, werden diese Leistungen somit auch künftig steuerlich begünstigt.

Beispiel 1: Die X-GmbH zahlt jeden Monat zusätzlich zum vereinbarten Gehalt 80 Euro Fahrtkostenzuschuss an Arbeitnehmer A aus. Für A weiterhin steuerfrei, die X-GmbH führt 15 Prozent pauschale Steuer ab – ohne Sozial­abgaben. Beispiel 2: Die Y-GmbH schließt einen neuen Arbeitsvertrag mit Arbeitnehmer B ab. Statt 3.000 Euro verdient B künftig nur noch 2.920 Euro. Dafür erhält B nun 80 Euro Fahrtkostenzuschuss. Der Zuschuss ist voll Sozial­abgaben- und steuerpflichtig.

Kostenloser IZW-Leserservice: Welche steuerfreien Leistungen Sie – nun wieder gefahrlos – zusätzlich zum Gehalt gewähren dürfen, und wo man sogar Bruttogehalt in steuerfreie Zahlungen umwandeln darf, haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für München